GEJJA News

Wie ein Projektbesuch zu einer Herzensreise wurde

Wie ein Projektbesuch zu einer Herzensreise wurde

Ein glücklicher Moment im Flüchtlingscamp Kyaka II: Laurine im Kreise der Mädchen und Jungen, die an der Schulung teilgenommen haben.

Manche Wege beginnen im Kleinen – und führen doch zu etwas Großem. Für Laurine Tertilt, die im vergangenen Sommer ihren Master in klinischer Psychologie in Rotterdam abgeschlossen hat, war Gejja lange ein Herzensprojekt aus der Ferne. Seit rund einem Jahr gehört sie zum Team des Gejja e. V., begleitet Strategien, Förderanträge, stellt Fragen, denkt voraus. Doch wie sich die Arbeit in Mpigi wirklich anfühlt, wie Menschen dort leben, arbeiten und hoffen – das kann man nicht über Bildschirme erfahren.

Im Sommer 2025 hat Laurine deshalb eine Entscheidung getroffen: Sie wollte selbst sehen, was Gejja bewirkt. Sie wollte Gesichter kennenlernen statt Zahlen, Stimmen hören statt Berichte lesen, die Energie vor Ort spüren. Und als sie Mitte Oktober in Mpigi ankam, wurde aus dem abstrakten Projekt eine lebendige Wirklichkeit. Sie erlebte Begegnungen, die tragen. Momente, die nachhallen. Und ein Team, das mit Hingabe arbeitet, als gäbe es nichts Wichtigeres.

Laurines erster Besuch bei der Gejja Women Foundation wurde zu einer Reise voller Nähe, Erkenntnis und Mut – und zu einem tiefen Verständnis dafür, was Gejja Tag für Tag möglich macht. Hier ist ihr Bericht.

Meine Ankunft

Als Mitglied von Gejja e.V. bin ich im Oktober 2025 zum ersten Mal zur Gejja Women Foundation nach Mpigi gefahren. An meinem letzten Tag, nach zwei Monaten Projektaufenthalt, möchte ich meine Eindrücke und Erfahrungen teilen.

Noch bevor ich richtig angekommen bin, war ich schon Teil eines Teambuildings: Wir fuhren gemeinsam zum Viktoriasee. Der Viktoriasee ist der größte See Afrikas und das wichtigste Reservoir des Nils. Er liegt vor allem in Uganda und Tansania und grenzt an Kenia. Seine Fläche beträgt 69.484 km². Für einige Teammitglieder war es das erste Mal, überhaupt an einem See zu stehen. Das hat den Ausflug zu etwas ganz Besonderem gemacht.


In meiner ersten Woche lernte ich die verschiedenen Teams und Projekte kennen und arbeitete an aktuellen Förderanträgen. Ich besuchte die Produktionsräume und sah die Näherei, die Modellfarm, die Tiere und den Garten. Besonders gefreut hat mich, dass ich frisches Gemüse essen konnte, das direkt vor Ort angebaut wird.

Jahresabschluss-Workshops

Zum Jahresende fanden mehrere wichtige Workshops mit unseren Co-Leads Faith, Raynard und Marjorie statt.

Ein Workshop wurde von der kanadischen Freiwilligen Zenaida Duarte, die bei der kanadischen Organisation Her Start arbeitet, geleitet. Es wurden Rückmeldungen der Mitarbeitenden ausgewertet, für jedes Programm wurde eine Strategie-Analyse erstellt, und gemeinsam wurden Prioritäten für den neuen Arbeitsplan entwickelt. Zenaida hat dazu auch einen interessanten Beitrag auf LinkedIn veröffentlicht (linkedin.com/posts/activity-7393992984955936768-YeS5?utm_source=share&utm_medium=member_desktop&rcm=ACoAABPRtQABdRnsRcI_YEAGE4Pg0JLKw27wwlw).

Gemeinsam mit meiner Kollegin Merle, die den Gejja e.V. mitbegründet hat, führte ich anschließend einen weiteren Workshop durch, in dem wir mit den Co-Leads über die Organisationsstrategie und die Zukunft von Gejja e.V. und der Gejja Women Foundation sprachen. Die Gespräche waren sehr offen und herzlich. Wir hatten das Gefühl, mit Menschen zusammenzusitzen, die mit großer Motivation und echter Leidenschaft Veränderung vorantreiben. Trotz der Herausforderungen, die uns begegnen, hat dieser Austausch sehr viel Mut und Klarheit für die kommenden Jahre gegeben.

Besuch der Kyaka II Flüchtlingssiedlung

Besonders beeindruckt hat mich die Flüchtlingssiedlung Kyaka II, die ich vom 11. bis 14. November mit dem mit dem Safe Girl Team besuchte. Kyaka II wurde 2003 gegründet. Ab 2017 kam es aufgrund erneuter Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo zu einem starken Anstieg der Neuankünfte. Heute leben mehr als 113.000 Geflüchtete in der Siedlung, die vom UNHCR und dem ugandischen Amt des Premierministers verwaltet wird. Viele Bewohnerinnen und Bewohner stammen aus Nord-Kivu und Ituri, darunter auch die Gruppe der Ba Gegere Bahema.

Unser erster Besuch führte uns in den Produktionsraum, den unser Safe-Girl-Team gemeinsam mit der Arise Youth Foundation aufgebaut hat. Dort trafen wir vier beeindruckende kongolesische Frauen, die für das Safe-Girl-Projekt arbeiten. Wir verbrachten den ganzen Tag mit ihnen und produzierten Menstruationskits: Wir schnitten Stoffe zu, nähten, stellten Kits zusammen, verpackten alles und bereiteten die Boxen für die Spende am nächsten Tag vor. Die Energie und Entschlossenheit der Frauen waren sehr berührend.

Tags darauf besuchten wir eine Schule, um ein Training zu Menstruationshygiene durchzuführen und die Pads zu verteilen. Es war spannend zu erleben, wie unterschiedlich das Vorwissen der Schülerinnen war. Die Schulleiterin betonte am Ende, dass der Bedarf an Menstruationsprodukten groß ist. Ich ging mit dem Gefühl nach Hause, dass unsere Spende zwar hilft, aber angesichts des Bedarfs nur ein kleiner Beitrag ist. Viele Mädchen haben keinen Zugang zu grundlegenden Produkten, die sie für eine sichere und selbstbestimmte Menstruationshygiene benötigen.

Die übrigen Pads durften die vier kongolesischen Frauen behalten, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Am letzten Tag erhielten sie noch ein Training zu grundlegenden finanziellen Fähigkeiten. Sie lernten, Bestände zu erfassen, Ausgaben zu kontrollieren, Einnahmen und Ausgaben zu vergleichen und eine einfache Verkaufsstrategie zu entwickeln.

Für mich war das ein besonders bewegender Moment, weil mir bewusst wurde, wie sehr solche Kenntnisse ihre wirtschaftliche Stabilität beeinflussen können. Eine der Frauen erzählte mir, dass sie eines Tages ein eigenes kleines Geschäft eröffnen und Kleidung verkaufen möchte. Ich wünsche ihr sehr, dass dieser Traum Wirklichkeit wird.

Die Zusammenarbeit mit dem Team vor Ort besser verstehen

Kurz vor meinem Abflug merke ich, wie sehr mich die letzten acht Wochen geprägt haben. Am Anfang war vieles neu und teilweise auch überfordernd – das Durcheinander auf den Straßen, ungewohnte Abläufe, neue Gesichter. Mit der Zeit ist daraus aber etwas ganz Besonderes geworden: das Gefühl, hier wirklich anzukommen und Gejja nicht mehr nur aus der Ferne zu kennen, sondern als lebendigen Ort mit Menschen, die mich mit offenen Armen aufgenommen haben.

Uganda über unsere Stiftung kennenzulernen, unterschiedliche Lebensrealitäten zu sehen und dabei auch meine eigenen Vorstellungen und Vorurteile zu hinterfragen, war eine wichtige Erfahrung. Noch bedeutsamer war für mich, die Zusammenarbeit mit unserem Team vor Ort besser zu verstehen – und die Freude zu erleben, mit der hier gemeinsam an Projekten gearbeitet wird.

Ich verlasse das Gejja-Team in Uganda mit einem weinenden Auge und hoffe sehr, bald wiederkommen zu können. Danke an alle für die schöne und unvergessliche Zeit. Ich bin unglaublich froh, dass ich die Arbeit, die mir so am Herzen liegt, mit eigenen Augen sehen durfte.


Unterstützung in den sozialen Medien

Der Erfolg von sozialen Projekten entscheidet sich immer auch in den sozialen Medien. Wichtig ist daher die schnelle Verbreitung von Themen. Kreativität und Zuverlässigkeit sind hier gefragt. Und genau dabei kannst Du uns helfen.

Follow Us:

Icon InstagramIcon facebookIcon Youtube