Sie sind glitschig, kräftig und nicht unbedingt die Tiere, die man auf den ersten Blick lieb gewinnt. Und doch sorgen ausgerechnet Welse dafür, dass Frauen in einem kleinen Dorf in Uganda Schritt für Schritt unabhängiger werden.
Als die Frauen des Gejja Women Center in Mpigi die langen, zappelnden Fische aus dem Wasser holen, ist die Freude groß. Sie halten weit mehr als nur einen erfolgreichen Fang in den Händen. Jeder einzelne Wels steht für Wissen, Ausdauer und die Hoffnung auf ein eigenes Einkommen.
Möglich wurde dieser Erfolg durch die großzügige Unterstützung der Fürsorge- und Bildungsstiftung. Mit ihrer Förderung trägt sie dazu bei, die Lebensbedingungen von Frauen im ländlichen Bulyasi im Distrikt Mpigi durch nachhaltige Aquakultur dauerhaft zu verbessern.
Begonnen hat diese Entwicklung bereits im Jahr 2022. Damals entstanden die ersten beiden Fischteiche der heutigen Fischfarm. Von Anfang an wurden die Frauen von Fachleuten der Iganga Fish Farm begleitet. Sie lernten, Teiche anzulegen, Wasserqualität zu kontrollieren, Fische richtig zu füttern und ihre Gesundheit zu überwachen. Aus ersten Erfahrungen wurde mit der Zeit fundiertes Fachwissen.
Schon bald zeigte sich, welches Potenzial in dem Projekt steckt. Deshalb wurde die Fischfarm 2024 um zwei weitere Teiche erweitert. Heute gehören vier Teiche zur Model Farm der Gejja Women Foundation. Neun Frauen arbeiten inzwischen dort und entwickeln den Betrieb mit wachsender Erfahrung kontinuierlich weiter.
Auch die Fischzucht selbst hat sich verändert. Anfangs wurden vor allem Tilapia gezüchtet. Heute liegt der Schwerpunkt zunehmend auf Afrikanischen Welsen, den sogenannten Catfish. Sie wachsen schneller, sind robuster und kommen mit den örtlichen Wasserbedingungen besonders gut zurecht. Damit schaffen sie bessere Voraussetzungen für einen wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb.
Der aktuelle Besatz begann Anfang Februar mit 5.000 Jungfischen. Innerhalb von nur vier Monaten sind daraus stattliche Welse mit einem Durchschnittsgewicht von rund 300 Gramm geworden. Dieser Erfolg ist das Ergebnis der täglichen Arbeit der Frauen. Sie versorgen die Tiere, kontrollieren die Teiche und kümmern sich mit großer Sorgfalt um deren Entwicklung.
So wächst nicht nur der Fischbestand, sondern auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. „Dass wir heute so große und gesunde Fische haben, macht uns stolz”, sagt Lillian Namatovu. „Wir haben viel gelernt. Die Fischfarm gibt uns Frauen die Chance auf ein eigenes Einkommen und eine selbstbestimmtere Zukunft.”
Vor wenigen Tagen stand ein wichtiger Arbeitsschritt an: die Sortierung der Welse nach ihrer Größe. Mithilfe eines Zugnetzes wurden die Fische aus dem Teich geholt und nach Gewicht getrennt. Dadurch erhält jede Gruppe genau die Futtermenge, die sie benötigt. Das sorgt für gleichmäßiges Wachstum, gesunde Tiere und einen höheren Ertrag.
Mit den Jahren wurde die Fischfarm außerdem immer professioneller ausgestattet. Schutzzäune halten natürliche Fressfeinde fern, Netze schützen die Teiche vor fischfressenden Vögeln. Wasserdichte Wathosen und Gummistiefel ermöglichen den Frauen, sicher in den Teichen zu arbeiten. Vieles davon gab es zu Beginn des Projekts noch nicht.
Der Weg dorthin war allerdings auch ein Lernprozess. Nicht jeder Schritt verlief wie geplant. Immer wieder sammelten die Frauen neue Erfahrungen – manchmal auch durch Rückschläge. Fehlende Schutznetze führten beispielsweise dazu, dass ein Teil des Fischbestandes verloren ging. Doch genau aus solchen Erfahrungen entstanden Verbesserungen. Gemeinsam mit den Fachleuten wurde die Fischfarm kontinuierlich weiterentwickelt und an die örtlichen Bedingungen angepasst.
Ende August sollen die ersten Welse verkauft werden. Gleichzeitig werden bereits weitere 5.000 Jungfische eingesetzt. So entsteht ein Kreislauf, der den Frauen dauerhaft neue Einkommensmöglichkeiten eröffnet und die Fischfarm Schritt für Schritt wirtschaftlich trägt.






